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Nach einer durchzechten Nacht eine Leiche in seiner Badewanne zu finden, ist schon schlimm genug. Vor allem für den erfolglosen, an der Welt verzweifelnden Wiener Schriftsteller Daniel Reichenbach. Aber das spurlose Verschwinden des Leichnams nur kurze Zeit später macht die Sache nicht besser. Will ihm jemand übel mitspielen? War alles Einbildung? Was hindert ihn daran, sich seiner fürsorglichen und nur etwas sadistisch veranlagten großen Schwester anzuvertrauen? Vielleicht die Tatsache, dass sie als Kriminalbeamtin Leiterin der Mordkommission ist? Bald muss Reichenbach feststellen, dass eine abgesägte Hand, die er am Kahlenberg findet, noch lange nicht das Ende des Grauens bedeutet. Unaufhaltsam scheint er ins Verderben zu schlittern. Wie viele Tote werden ihm noch begegnen? Die schockierende Mordserie überfordert den Bezirksinspektor Doppler heillos. Außerdem verstrickt er sich selbst immer mehr in illegale Machenschaften. Und die Zusammenarbeit mit seiner Vorgesetzten, Dr. Simone Reichenbach, klappt auch nicht immer reibungslos: Sie kann ihn buchstäblich nicht riechen. Alles in allem keine wirklich guten Voraussetzungen für die Lösung des Falles ... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Robert Pucher KATERFRÜHSTÜCK Kriminalroman aus Wien Broschiert, 240 Seiten Prolibris Verlag 09/2006 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Leopoldine Machek trat an ihr Hoffenster im Erdgeschoss, um nach dem Rechten zu sehen. Das zählte schließlich zu ihren Aufgaben. Sofort fiel ihr das große Paket neben den Mülltonnen auf. Wie oft hatte sie den Hausparteien schon erklärt, dass es strengstens verboten sei, Sperrgut im Hof zu deponieren? Der Hinweis klebte sogar am schwarzen Brett! Schließlich war sie als Hausmeisterin für den reibungslosen Abtransport des Abfalls verantwortlich, und die Burschen von der Müllabfuhr ließen nicht mit sich verhandeln. Ihr Verdacht fiel sofort auf Güneyalp vom zweiten Stock. Jede Wette ginge sie ein, dass er es gewesen war, der wie so oft ihre Anordnungen missachtet hatte. Ihm fehlte es an dem notwendigen Respekt. Ja, manchmal hatte sie sogar den Eindruck, er legte es bewusst darauf an, sie zu provozieren. Tat immer recht freundlich, wenn er sie im Stiegenhaus sah, aber dann, hinter ihrem Rücken ... Der unverschämte Kerl! Frau Machek schäumte vor Wut. So etwas konnte er sich daheim, in der Türkei erlauben, aber nicht hier, in ihrem ordentlich geführten Wohnhaus. Diesmal würde sie keine Nachsicht walten lassen und eine saftige Beschwerde an die Hausverwaltung schreiben. Das Maß war voll! Eigentlich schon seit geraumer Zeit. Damals, als Güneyalp in seinem sechs Quadratmeter großen Kellerabteil eine befreundete fünfköpfige Familie einquartierte, erklärte sich Frau Machek als humane Person ausnahmsweise bereit, ein Auge zuzudrücken, zumal er ihr in weiterer Folge einen nicht geringen Prozentsatz der illegalen Mieteinnahmen zukommen ließ. Als Wiedergutmachung für die Umstände, sozusagen. Dann folgte die Geschichte mit dem Schaf, das er - als wäre es die normalste Sache der Welt - mitten in der Waschküche eigenhändig schlachtete und ausnahm. Frau Machek fiel angesichts der Sauerei aus allen Wolken, fast in Ohnmacht und brauchte einen halben Tag, um sich zu beruhigen. Danach zitierte sie den Türken umgehend zum Rapport, um ihm eine Standpauke zu halten, die sich gewaschen hatte. Nur einer saftigen Lammkeule, die daraufhin den Besitzer wechselte, war es zu verdanken, dass sie schweren Herzens von ihrem Entschluss abkam, gegen den Störenfried Strafanzeige zu erstatten. Ein Fehler, wie sich nun herausstellte. Längst hätte sie entschlossener durchgreifen müssen! Diesmal würde es Güneyalp nicht gelingen, sich ohne Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen, schwor sie sich. Er sollte lernen, was man hierzulande unter Recht und Ordnung verstand. Gastarbeiter waren eben, wie der Name schon sagte, Gäste und hatten sich dementsprechend zu benehmen. Wenn sie es vorzogen, in diesem großzügigen Staat zu leben, mussten sie sich an die hiesigen Sitten und Gebräuche anpassen. Ob sie wollten oder nicht. Und wenn nicht, wäre es besser, sie kehrten dorthin zurück, wo sie hergekommen waren. Frau Machek war es ohnehin leid, dass das Gesindel immer mehr überhand nahm. In Hernals sah es aus wie zu Zeiten der Türkenbelagerung. Am Elterleinplatz, zum Beispiel, vor der Einkaufspassage, lungerten ständig Horden von Ausländern herum. Tagein, tagaus. Man traute sich schon gar nicht mehr auf die Straße. Fest entschlossen, endlich mit dem Ausländerpack in ihrem Umfeld aufzuräumen, schlüpfte sie in den lilafarbenen Morgenmantel und eilte ungeachtet ihrer unvorteilhaften Lockenwickler in den Hof, um das mysteriöse Paket zu inspizieren. Die Tatsache, dass es sich sehr kompakt anfühlte und zu schwer war, um es hochzuheben, entfachte ihre Neugier. Vielleicht verbarg sich unter dem Verpackungsmaterial etwas Wertvolles oder zumindest etwas Brauchbares. Sie dachte dabei an einen edlen Orientteppich, eine Stehlampe oder sonst etwas, das schon bald ihre Wohnung verschönern würde. Hoffnungsvoll machte sie sich daran, die festen Knoten zu lösen. Ihre Vorfreude wuchs zusehends. Sie entfernte die Schnur und zerrte kräftig an der Plastikplane. Die Idee, es könnte sich um eine übel zugerichtete Frauenleiche handeln, kam ihr erst, nachdem sie einen bleichen, blutverschmierten Fuß freigelegt hatte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bonus | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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"35 Jahre Bürgerwehr gegen Drogen, Kriminalität und Kulturschande. 35 Jahre Obacht!" stand auf dem Transparent hinter dem Rednerpult. Der Festsaal im Gasthaus "Zum Röhrenden Hirschen" war zum Bersten gefüllt. Die Jubiläumsfeier hatte auch jene Mitglieder angelockt, die sonst den wöchentlichen Vereinstreffen fern blieben. Unter dem rhythmischen Klatschen seiner Gefolgsleute schritt Herr Wosczynski hoch erhobenen Hauptes zum Podium. Geduldig wartete er, bis der Beifall verebbte. "Liebe Mitstreiter, liebe Gleichgesinnte, liebe Freunde!" Die Hände auf das Pult gestützt, ließ er seinen wohlwollenden, väterlichen Blick über die Anwesenden streifen. "Als unsere Vereinigung vor 35 Jahren hier in Favoriten, nahe dem Viktor-Adler-Markt ins Leben gerufen wurde, gleichsam wie ein strammes Neugeborenes das Licht der Welt erblickte, dachten wahrscheinlich die wenigsten, welche Bedeutung ihr im Laufe der Jahre zukommen würde. Mein alter Herr, damals Mitbegründer der Bürgerwehr, sagte mir, der ich ein junger, unerfahrener Bursche war: Sohn und Kraft und Mut schwangen dabei in seiner Stimme Sohn, wir leben in einer Zeit, in der es so notwendig ist, wie nie zuvor, sich auf die ureigensten Sitten und Bräuche unseres Volkes zu besinnen und fremdartigen Einflüssen entschlossen entgegenzutreten! Und er hatte Recht! Denn aufgewiegelt von radikalen Revoluzzern begannen damals immer mehr junge Menschen, sich von den traditionellen Werten abzuwenden, lehnten sich in ihrem sinnlosen Drang nach Selbstverwirklichung gegen ihre Elternhäuser auf und zeigten der Gesellschaft frech ihre nackten Hintern. Freunde, glaubt mir, es war ein Fehler, sie nicht unverzüglich in dieselben zu treten!" Die Zuhörer lachten und klopften sich vor Freude auf die Schenkel. Sein Scherz war gut angekommen. "Kurzsichtig, wie sie waren, wollten die Aufmüpfigen die Ketten der Gesellschaft abwerfen, in denen sie sich wähnten. Sie strebten nach Freiheit. Doch, ich frage euch, welche Freiheit meinten sie? Bekamen sie nicht ohnehin alle Freiheiten, auf die es ankam? Die Freiheit, auf den Spuren der Wölfe durch unsere Wälder zu streifen, die Freiheit, die majestätischen Gipfel unserer höchsten Berge zu erstürmen, die Freiheit mit treuen Kameraden in geselligem Beisammensein Brauchtum zu pflegen ... Ja, aber das, liebe Freunde, war ihnen nicht genug! Denn mit Freiheit meinten sie in Wahrheit Freizügigkeit, Entartung und Anarchie!" Spontane Rufe der Empörung schallten durch den Saal. "Und so gingen sie daran, den Niedergang der abendländischen Kultur rücksichtslos und selbstsüchtig voranzutreiben! Was ihre Ahnen und Urahnen mühevoll, unter größten Entbehrungen aufgebaut hatten, wollten sie mit einem Schlag zerstören und spuckten der Moral ins Gesicht! Die Folgen sind uns wohlbekannt! Rockmusik, sexuelle Perversion, Drogen und Alkohol breiteten sich wie Epidemien aus und machten die Jugend krank!" Herr Wosczynski labte seine trockene Kehle mit einem kräftigen Schluck Bier, ehe er weitersprach. "Machten sie zu einem hässlichen Krebsgeschwür der Gesellschaft! Doch wer nun dachte, man stecke die Taugenichtse endlich in Arbeitslager und Erziehungsanstalten, um ihnen den rechten Weg zu weisen, irrte gewaltig! Linksorientierte Politiker entwickelten dubiose Pläne, das gescheiterte Gesindel mit fadenscheinigen, teuren Therapien zu resozialisieren!" Drohend erhob er seinen Zeigefinger. "Dabei trugen doch gerade diese Politiker im Zusammenspiel mit linken Intellektuellen die Verantwortung an dem Desaster! Denn es war ihre Sozialpolitik und allzu große Toleranz, die die Jugend ins Verderben trieb! Man zeigte Verständnis, übte Nachsicht, statt dem Abschaum eine heilsame Tracht Prügel zu versetzen!" Als tosender Beifall aufbrandete, winkte der Obmann geschmeichelt ab. "Heute, liebe Freunde, bin ich so alt, wie mein Vater damals. Und was hat sich geändert?" "Nichts!", brüllten die Zuhörer im Chor und erhoben ihre Gläser. "Richtig! Nach wie vor haben liberale, soziale und vor allem korrupte Elemente in unserem schönen Österreich das Sagen! Antiautoritäre Erziehung, soziale Absicherung, humaner Strafvollzug, Schmutz und Schund aus TV und Internet stellen weiterhin eine gefährliche Bedrohung für unsere Kinder und somit für uns alle dar! Wir, die Bürgerwehr gegen Drogen, Kriminalität und Kulturschande, sind heute daher nicht minder wichtig als vor 35 Jahren! Und so wie damals werden wir alles daran setzen, dass Recht und Ordnung wieder jenen Stellenwert in unserem Vaterland erhalten, den sie verdienen!" Herr Wosczynski reckte die geballte Faust in die Luft. Nicht enden wollender Jubel brach aus. "Ich, liebe Freunde, garantiere euch, wir werden auch in Zukunft keinen Millimeter von unserem Kurs abrücken, bis alle und ich meine wirklich alle bereit sind, mit uns zu marschieren! Wir werden auch in Zukunft mit spontanen Aktionen unsere Kultur vor der Besudelung gewisser, wohlbekannter Künstler zu schützen wissen! Und wir werden auch in Zukunft nicht eher ruhen, bis endlich wirksame Maßnahmen gegen die Überflutung unserer Heimat mit Drogen und Ausländern in Kraft treten! Vor allem dem Treiben der Neger - und ich nenne sie ganz bewusst so, da bin ich gerne politisch unkorrekt - muss ein Ende gesetzt werden, denn in erster Linie sind sie es, die getarnt als Asylanten unsere Straßen unsicher machen!" Das Publikum tobte vor Begeisterung. Vereinzelte Heil Hitler-Rufe deuteten auf die Anwesenheit einer Delegation der "Neuen Nationalen Sauberkeitspartei" hin. "Zum Abschluss, Freunde, sei euch eines versichert: wir werden auch in Zukunft nicht eher ruhen, bis unsere im Verfall befindliche Gesellschaft vom Krebsgeschwür befreit und neu aufgebaut ist! Fester und strahlender denn je, auf dass unsere Kinder zu fleißigen und aufrechten Bürgern heranwachsen! Denn es geht um unser aller Zukunft! In diesem Sinne, liebe Freunde, lasst uns auf ein tausendjähriges Bestehen der Bürgerwehr gegen Drogen, Kriminalität und Kulturschande anstoßen! Prost und Glück auf!" | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| k a t e r f r ü h s t ü c k | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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