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Viktor geht hinaus

Viktor geht hinaus

Roman, Hardcover + Schutzumschlag, 314 Seiten, Verlag Wortreich 09/2017, auch als E-Book erhältlich.

Viktor ist nicht geistig zurückgeblieben. Er ist nur unterdurchschnittlich begabt. Auch mit der Agoraphobie, die ihn an seine Wohnung fesselt, hat er umzugehen gelernt. Nur der Lärm aus der Nachbarwohnung stößt ihm sauer auf. So wirklich besser wird Viktors Situation aber nicht, als plötzlich Stille einkehrt, weil die Nachbarn brutal erschlagen wurden. Er könnte es nämlich gewesen sein. Oder will ihm jemand etwas anhängen? Was er mit Sicherheit weiß: Im Gefängnis würde er es nicht aushalten. Ihm bleibt keine Wahl. Er muss das Verbrechen aufklären. Aber wie, wenn er nicht aus dem Haus kann? Und was hat das alles mit einem schamanistischen Ritual zu tun? Viktor stellt sich seinen Zwängen und sucht die Antwort auf das, was passiert ist. Der Kampf gegen die eigenen Ängste ist dabei ebenso schwer wie jener gegen eine Welt, die ihn seit seiner Kindheit abgestempelt hat.

Textprobe

Das eingetrocknete Russenblut hat sich mit einem feuchten Tuch leicht vom Fotoalbum abwischen lassen. Vom Plastikeinband jedenfalls. Aber es ist auch über ein paar Seiten gelaufen und in das Papier eingesickert wie Tinte, wenn man mit der Füllfeder patzt. Und solche Flecken kriegt man nicht mehr weg. Beim Morgenmantel ist das ähnlich. Wenn man den bei neunzig Grad in der Maschine wäscht, geht der ärgste Schmutz zwar heraus, aber kleinste Rückstände bleiben immer im Stoff erhalten, minimale Spurenreste, die nur im Polizeilabor unter dem Mikroskop sichtbar werden. Das bedeutet: Viktor muss beides, Fotoalbum und Morgenmantel, loswerden.
Einfach in den Mistkübel kann er sie nicht werfen. Das wäre ziemlich dumm, weil die Leute von der Spurensicherung bei einer Hausdurchsuchung den Mistkübel ebenfalls unter die Lupe nehmen. Das müssen sie, sonst würde jeder Mörder hergehen und seine blutigen Messer oder Hacken mit dem Restmüll entsorgen. Ganz so einfach macht es einem die Polizei auch wieder nicht.
Unter den Kriminalbeamten gibt es Spezialisten, sogenannte Müllfachleute, die können in den Abfällen eines Menschen lesen wie in einem Buch. Wovon ernährt sich jemand, was ist er von Beruf, womit beschäftigt er sich in seiner Freizeit und so weiter. Aus diesen Informationen lässt sich ein detailliertes Täterprofil erstellen.
Daher wirft man Tatwaffen am besten in einen Fluss oder in einen See. Das hat sich seit es Morde gibt bewährt. Wenn man sie mit einem Stein ordentlich beschwert, bleiben sie für immer und ewig auf dem schlammigen Grund verborgen. Aber wie kommt Viktor zu einem Fluss oder See? Er kommt nicht einmal auf die Straße vor dem Haus.


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