Robert Pucher Text & Design
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Bärendienst

Bärendienst

Kriminalroman, gebunden, 336 Seiten, Leykam Verlag 03/2010, auch als E-Book erhältlich.

Bezirksinspektor Doppler, Dr. Simone Reichenbach und Mag. Thomas Kleist kehren zurück. Ein brisanter Mordfall ruft das legendäre Ermittlerteam der Kriminaldirektion 1 auf den Plan.
Bert Kellermeister, der erfolgreiche Aufdeckungsjournalist ist tot. Doch nicht nur er. Neben ihm liegt auch die Leiche seiner Putzfrau.
Kein Wunder, dass sich die polizeilichen Ermittlungen anfangs auf Kellermeisters Ehefrau Hannelore konzentrieren, deren Reha-Aufenthalt ganz anders verlaufen ist, als aus medizinischer Sicht indiziert gewesen wäre.
Erst ein unerwarteter Hinweis führt die Kriminalbeamten auf die richtige Spur. Simone, die sich mit ihrer neuen Rolle als Mutter ebenso wenig anfreunden kann wie Doppler mit dem Hund seines Nachbarn, muss erkennen, dass sie es mit einem übermächtigen Gegner zu tun bekommt.
Eine bislang unbekannte Geheimorganisation gewinnt zunehmend an Einfluss. Ihre Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, in den höchsten Kreisen von Politik und Wirtschaft gründlich aufzuräumen. Eine Situation, die den Machtkampf zwischen der neuen Innenministerin und dem Polizeipräsidenten in einem besonders schiefen Licht erscheinen lässt.
In dieser bitterbösen Satire enthüllt Robert Pucher all jene Details aus dem Wirken von Geheimlogen, die Dan Brown bislang schuldig geblieben ist.

Pressestimmen

Robert Pucher hat mit seiner Kriminaldirektion 1 eine Kieberertruppe des Grauens geschaffen, die nur als Missverständnis der offenen Psychiatrie erklärbar ist. [...] Sehr witzig!
Die Presse, 10.4.2010

Pucher zeichnet ein höchst amüsantes - allerdings sehr wienerisches - Gesellschaftsbild und über die Ermittlungstypen Doppler, Reichenbach und Kleist "haut man sich ganz einfach ab". Wer also als Krimifreak weniger auf Blutrünstigkeit als auf Satire und kohlschwarzen Humor setzt, der kommt voll auf seine Rechnung.
Bücherschau 2/2010

Bereits zu ihrem vierten Fall lässt Robert Pucher seine Kommissarin Simone Reichenbach und ihr wunderbar schräges Team in "Bärendienst" antreten. [...] Der Krimi dient bei Pucher allerdings nur als Tarnung für eine herrlich überzeichnete und bitterböse Sozialsatire. In jeder Figur steckt ein gekonntes Spiel mit Klischees [...] Mit seiner Überspitzung ins Groteske entlarvt Pucher die Scheinheiligkeit, die sich wie ein Schleier über die schmutzigen Tiefen der menschlichen Existenz legt [...] Wenn man diesen Stil mag, ist "Bärendienst" wohl einer der Krimi-Höhepunkte der heurigen Saison.
Steirerkrone 26.8.2010

Textprobe

Engelbert Wurst kletterte von der Leiter, trat einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk. Perfekt! Er kam nicht umhin, sich ein dickes Lob auszusprechen. Wieder einmal hatte er glänzende Arbeit geleistet. Die Schlafzimmerwand war ein Traum. Neongrün, präzise gewalzt, ohne Flecken, ohne Patzer. Kein Malermeister dieser Welt hätte das besser hingekriegt. Jetzt brauchte er nur noch Bad und Küche zu verfliesen, dann war er fertig.
Er zog die Klebestreifen vom Türstock und sammelte das Zeitungspapier ein, das er zum Schutz des dunkelroten Linoleums ausgelegt hatte. Als sein Blick auf den grünen Ring fiel, den der Farbkübel auf der Lifestyle-Beilage hinterlassen hatte, hielt er inne. Genauer gesagt, war es das Foto in dem Ring, das ihn innehalten ließ.
Die Pruckner, die Sau! Schon wieder! Rasselnd rang Wurst nach Luft. Sein Magen fühlte sich an, als würde er auf Erbsengröße zusammenschrumpfen. Das Weib schien ihn neuerdings zu verfolgen. Seit man sie in die Regierung berufen hatte, war ihre scheinheilige Visage allgegenwärtig. Die Frau war das Letzte, die Pest!
Das halbseitige Bild war im Arbeitszimmer ihrer prachtvollen Altbauwohnung in der Josefstadt geschossen worden. Sie saß hinter ihrem Schreibtisch, hielt sich den Telefonhörer ans Ohr und präsentierte der Kamera ihr verlogenes Grinsen. Margot Pruckner, die große Checkerin, die Mutter der Nation, rund um die Uhr für die Sicherheit ihres Volks im Einsatz, sollte die plump gestellte Aufnahme der Wählerschaft suggerieren.
Der Artikel stammte aus der Serie "Bei Promis daheim". Als liebenswürdig, kontaktfreudig und weltoffen wurde sie darin beschrieben. Liebenswürdig? Ha! Wer's glaubt! Der Schreiberling hatte nicht die leiseste Ahnung! Das genaue Gegenteil war der Fall! Rücksichtslos und menschenverachtend war sie, selbstsüchtig und eiskalt! Wurst hatte ihre Kaltschnäuzigkeit am eigenen Leib zu spüren bekommen, damals als er bei connect-u, diesem Telekom-Unternehmen beschäftigt gewesen war. Wohlgemerkt: "war". Nach acht Jahren Firmentreue und bedingungsloser Loyalität hatte man ihn von heute auf morgen auf die Straße gesetzt und das ohne jeglichen Grund. Na ja, Einsparungsmaßnahmen, hatte es offiziell geheißen, das Unternehmen müsse schlanker und wendiger werden, sich angesichts der auf den Markt drängenden Mitbewerber neu aufstellen. Das übliche Geschwafel halt, das man ständig zu hören bekam, wenn es den Angestellten an den Kragen ging.
Nichts als Lügen! Bevor die Pruckner das Ruder an sich gerissen hatte, war alles in bester Ordnung gewesen und niemand, wirklich niemand, hatte um seinen Arbeitsplatz bangen müssen. Von Jahr zu Jahr hatte das Unternehmen gehörige Umsatzzuwachsraten verzeichnet. Wurst konnte das beurteilen. Die Statistiken waren ihm vertraut. Immerhin hatte er in der Administration gearbeitet. In der Materialverwaltung und Poststelle genauer gesagt.
Und dann das jähe Ende. Aus einer vermeintlich sicheren Anstellung wurde zermürbende Langzeitarbeitslosigkeit. Zum ersten Mal bereute er es, seinen früheren Beruf leichtfertig hingeschmissen zu haben. Als Assistent des Erstaunlichen Igor war es ihm nicht schlecht gegangen. Angenehmes Betriebsklima, gute Bezahlung, ein schickes grünes Glitzerkostüm aus feinstem Polyester mit Fledermausärmeln … Was wollte man mehr? Für ihn war es nie ein Problem gewesen, seine Dienstzeiten vorrangig in einer engen Holzkiste zu verbringen und mit Schwertern durchbohrt oder in zwei Teile zersägt zu werden. Und trotzdem war er zu dieser Telefonfirma gewechselt, auf Geheiß des Vaters, der vom Tingeltangel-Dasein seines Sohns nie besonders begeistert gewesen war. Wofür er ihn in die Handelsschule geschickt hätte, hatte er ihm dauernd vorgehalten. Damit er für einen dilettantischen Zauberer den Trottel mache?
Von wegen dilettantisch! Wäre er bei Igor geblieben, wäre er heute ein gefeierter Star in Las Vegas. Oder er wäre tot, wie sein Nachfolger, bei dem der Trick mit dem Piranhabecken gründlich danebengegangen war. Egal, in beiden Fällen hätte er sich die Unannehmlichkeiten erspart, die nach seinem Abschied von connect-u auf ihn zugekommen waren. Die Selbstzweifel, die Trunksucht, die Schulden und als letzte Konsequenz die Obdachlosigkeit.
Vor ziemlich genau einem Jahr war er in der Gosse gelandet. Vor dem Nichts war er gestanden, vor dem endgültigen Aus. Jeder andere an seiner Stelle hätte sich angesichts der Hoffnungslosigkeit aufgegeben, doch bei ihm war unvermutet ein Schalter umgekippt. Er hatte kapiert, dass er etwas unternehmen musste, wollte er nicht vollends vor die Hunde gehen. Also war er in ein Männerheim gezogen, hatte dem Alkohol abgeschworen und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Dank seines eisernen Willens und der Unterstützung des Sozialamts, hatte er schließlich sogar eine neue Wohnung gefunden. Diese Wohnung, in der ihn nun die Vergangenheit so schmerzvoll einholte.
Wurst packte die Zeitung und zerknüllte sie zwischen seinen Fingern. Wie ein widerliches Insekt wollte er die Pruckner zerquetschen, wie eine ekelhafte Spinne! Ein für allemal wollte er sie auslöschen und dann … Er erstarrte mitten in der Bewegung. Konnte es tatsächlich sein? Hatte er richtig gesehen? Rasch entwirrte er das Papierknäuel und strich es glatt. Nein, er hatte sich nicht getäuscht. Diese kleine Statuette da, auf Pruckners Schreibtisch … Himmel, das war sie! Das musste sie sein! Er hatte die Figur im Original zwar nie zu Gesicht bekommen, aber er kannte sie von Großvaters Zeichnungen.
Wurst sprang auf und lief ins Wohnzimmer. Er hatte sämtliche Briefe seines Opas aufgehoben. Irgendwo mussten sie sein. Da war er sich ganz sicher. Wahrscheinlich steckten sie noch in einem der Umzugskartons.

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