Robert Pucher Text & Design
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Krokodilstränen

Krokodilstränen

Kriminalroman, gebunden, 328 Seiten, Leykam Verlag 09/2008, auch als E-Book erhältlich.

Zwei Versicherungsvertreter - Leopold Borstinger und Richard Gric - werden innerhalb kürzester Zeit bestialisch ermordet.
Die leitende Kriminalbeamtin, Simone Reichenbach, die geneigt ist, den Tod von Vertretern als natürliche Selektion einer minderwertigen Spezies anzusehen, findet gleich einen Verdächtigen: Borstingers Bruder Michael. Dieser erbt nämlich nicht nur Leopolds Job und Kundenstock, sondern pflegt auch ein Verhältnis mit dessen Frau. Aber wie passt da Gric dazu?
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, auch wenn Reichenbach und ihre Mitarbeiter Bezirksinspektor Doppler und Mag. Kleist neben all der mühevollen Polizeiarbeit so manche Schlacht auf privaten und auf Nebenschauplätzen zu schlagen haben, denn schließlich gibt es da noch einen Alligator, der sich in der Donau herumtreibt und entdeckt hat, dass Menschenfleisch eine leichte und schmackhafte Beute ist.

Pressestimmen

Eine zum Brüllen komische Spießersatire, als Krimi getarnt.
Die Presse, 11.10.2008

Pucher verfügt über eine schrille Fantasie, die er in Szenen auskostet, in denen das ganz gewöhnliche Wien keinen Platz findet. […] Das ist Literatur aus dem Geiste Kottans, reichlich überdreht. […] Ein böswitziger Krimi.
Salzburger Nachrichten, 22.11.2008

Witzig, frech, ganz das moderne Wien - immer noch ein Schlag Schlagobers obenauf.
Main-Echo, 22.11.2008

Immer wenn man glaubt, es geht nicht mehr tiefer, legt Robert Pucher noch eins drauf und treibt einem die Lachtränen in die Augen, indem er nichts und niemanden verschont und keine noch so absurde Wendung auslässt. […] So einen Plot muss man sich erst einmal trauen und dann noch einmal gekonnt bedienen. Pucher schafft beides. Hut ab!
Wienerin, 01/2009

Textprobe

Der Alligator dachte: Mmh ... Essen!
Streng wissenschaftlich betrachtet ist das einer von zwei grundlegenden Gedanken, mit denen das Gehirn von Panzerechsen von Geburt an fix ausgestattet ist. Der andere lautet: Aah ... Faulenzen!
In ihrem natürlichen Lebensraum gesellt sich zu diesen originären Denkvorgängen mit der Geschlechtsreife ein weiterer hinzu, ein ordinärer, der dem Alligator in der Neuen Donau mangels andersgeschlechtlicher Artgenossen jedoch völlig unbekannt war.
Nahezu regungslos schwebte er nahe der Floridsdorfer Brücke im Entlastungsgerinne. Nur seine Nasenlöcher und Augen lugten aus dem Wasser. Als gefährlicher Räuber war er ein Meister der Tarnung, der alles sah, ohne selbst gesehen zu werden. Gespannt beäugte er die riesige Herde an Zweibeinern, die sich in Ufernähe zusammengerottet hatte. Immer wieder verließen einige Exemplare den Schutz der Gruppe und suchten im Wasser nach Abkühlung. Ein verlockender Anblick, zumal die Zweibeiner miserable Schwimmer waren, was sie zu einer leichten Beute machte.
Doch an diesem Tag hatten sie nichts zu befürchten. Der Alligator war nicht hungrig. Erst vor zwei Tagen hatte er ausgiebig gespeist und das sollte bis auf Weiteres reichen. Sein Stoffwechsel stellte keine hohen Ansprüche.
Es war das erste Mal gewesen, dass er einen Zweibeiner probiert hatte und er musste sagen: Nicht schlecht! Wirklich nicht schlecht! Einmal etwas anderes. Davor hatte er sich sowieso nur mit dem Kleinkram zufrieden geben müssen, der ihm vorgeworfen worden war. Mit Hühnern und Enten und so. Ganz okay, aber nicht das Gelbe vom Ei. Außerdem nervte es, wenn einem ständig die Federn zwischen den Zähnen stecken blieben. Nein, nein, es hatte schon etwas, wenn man sich seine Mahlzeit selbst organisierte. Die Jagd bereicherte die Nahrungsaufnahme um eine wesentliche Komponente. Den Funfaktor. Erlebnisgastronomie lautete das Zauberwort. Sie erfreute sich im Tierreich seit jeher größter Beliebtheit. Vor allem unter den Fleischfressern.
Binnen kürzester Zeit hatte der Alligator die Vorzüge seines neuen Territoriums zu schätzen gelernt. Den Freiraum, die Abwechslung, die Action. Früher, in diesem dunklen Loch hatte er sich gerade einmal umdrehen können. Da war er den ganzen Tag auf der faulen Haut gelegen, hatte vor sich hingedöst oder gelangweilt die Wände angestarrt. Jetzt hingegen lag er meistens auf der faulen Haut, döste vor sich hin oder erfreute sich an dem kurzweiligen Treiben in seiner Umgebung.
Wasser spritzte auf, der Geruch von Sonnenöl stieg ihm in die Nase. Kaum zwei Meter entfernt paddelte ein Zweibeiner-Kalb auf einer Luftmatratze an ihm vorüber. Ein Weibchen, vielleicht halb so groß wie er. Ein mundgerechter Happen.
Mmh ... Essen!, dachte der Alligator automatisch. Sein Gehirn checkte routinemäßig die Lage im Magen und traf eine andere Entscheidung. Aah ... Faulenzen!

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