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Katerfrühstück

Katerfrühstück

Kriminalroman aus Wien, broschiert, 240 Seiten, Prolibris Verlag 09/2006, auch als E-Book erhältlich.

Nach einer durchzechten Nacht eine Leiche in seiner Badewanne zu finden, ist schon schlimm genug. Vor allem für den erfolglosen, an der Welt verzweifelnden Wiener Schriftsteller Daniel Reichenbach. Aber das spurlose Verschwinden des Leichnams nur kurze Zeit später macht die Sache nicht besser.
Will ihm jemand übel mitspielen? War alles Einbildung? Was hindert ihn daran, sich seiner fürsorglichen und nur etwas sadistisch veranlagten großen Schwester anzuvertrauen? Vielleicht die Tatsache, dass sie als Kriminalbeamtin Leiterin der Mordkommission ist?
Bald muss Reichenbach feststellen, dass eine abgesägte Hand, die er am Kahlenberg findet, noch lange nicht das Ende des Grauens bedeutet. Unaufhaltsam scheint er ins Verderben zu schlittern. Wie viele Tote werden ihm noch begegnen?
Die schockierende Mordserie überfordert den Bezirksinspektor Doppler heillos. Außerdem verstrickt er sich selbst immer mehr in illegale Machenschaften. Und die Zusammenarbeit mit seiner Vorgesetzten, Dr. Simone Reichenbach, klappt auch nicht immer reibungslos: Sie kann ihn buchstäblich nicht riechen. Alles in allem keine wirklich guten Voraussetzungen für die Lösung des Falles ...

Textprobe

Leopoldine Machek trat an ihr Hoffenster im Erdgeschoss, um nach dem Rechten zu sehen. Das zählte schließlich zu ihren Aufgaben. Sofort fiel ihr das große Paket neben den Mülltonnen auf. Wie oft hatte sie den Hausparteien schon erklärt, dass es strengstens verboten sei, Sperrgut im Hof zu deponieren? Der Hinweis klebte sogar am schwarzen Brett! Schließlich war sie als Hausmeisterin für den reibungslosen Abtransport des Abfalls verantwortlich, und die Burschen von der Müllabfuhr ließen nicht mit sich verhandeln. Ihr Verdacht fiel sofort auf Güneyalp vom zweiten Stock. Jede Wette ginge sie ein, dass er es gewesen war, der wie so oft ihre Anordnungen missachtet hatte. Ihm fehlte es an dem notwendigen Respekt. Ja, manchmal hatte sie sogar den Eindruck, er legte es bewusst darauf an, sie zu provozieren. Tat immer recht freundlich, wenn er sie im Stiegenhaus sah, aber dann, hinter ihrem Rücken ... Der unverschämte Kerl!
Frau Machek schäumte vor Wut. So etwas konnte er sich daheim, in der Türkei erlauben, aber nicht hier, in ihrem ordentlich geführten Wohnhaus. Diesmal würde sie keine Nachsicht walten lassen und eine saftige Beschwerde an die Hausverwaltung schreiben. Das Maß war voll! Eigentlich schon seit geraumer Zeit.
Damals, als Güneyalp in seinem sechs Quadratmeter großen Kellerabteil eine befreundete fünfköpfige Familie einquartierte, erklärte sich Frau Machek als humane Person ausnahmsweise bereit, ein Auge zuzudrücken, zumal er ihr in weiterer Folge einen nicht geringen Prozentsatz der illegalen Mieteinnahmen zukommen ließ. Als Wiedergutmachung für die Umstände, sozusagen. Dann folgte die Geschichte mit dem Schaf, das er - als wäre es die normalste Sache der Welt - mitten in der Waschküche eigenhändig schlachtete und ausnahm. Frau Machek fiel angesichts der Sauerei aus allen Wolken, fast in Ohnmacht und brauchte einen halben Tag, um sich zu beruhigen. Danach zitierte sie den Türken umgehend zum Rapport, um ihm eine Standpauke zu halten, die sich gewaschen hatte. Nur einer saftigen Lammkeule, die daraufhin den Besitzer wechselte, war es zu verdanken, dass sie schweren Herzens von ihrem Entschluss abkam, gegen den Störenfried Strafanzeige zu erstatten. Ein Fehler, wie sich nun herausstellte. Längst hätte sie entschlossener durchgreifen müssen! Diesmal würde es Güneyalp nicht gelingen, sich ohne Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen, schwor sie sich. Er sollte lernen, was man hierzulande unter Recht und Ordnung verstand.
Gastarbeiter waren eben, wie der Name schon sagte, Gäste und hatten sich dementsprechend zu benehmen. Wenn sie es vorzogen, in diesem großzügigen Staat zu leben, mussten sie sich an die hiesigen Sitten und Gebräuche anpassen. Ob sie wollten oder nicht. Und wenn nicht, wäre es besser, sie kehrten dorthin zurück, wo sie hergekommen waren. Frau Machek war es ohnehin leid, dass das Gesindel immer mehr überhand nahm. In Hernals sah es aus wie zu Zeiten der Türkenbelagerung. Am Elterleinplatz, zum Beispiel, vor der Einkaufspassage, lungerten ständig Horden von Ausländern herum. Tagein, tagaus. Man traute sich schon gar nicht mehr auf die Straße.
Fest entschlossen, endlich mit dem Ausländerpack in ihrem Umfeld aufzuräumen, schlüpfte sie in den lilafarbenen Morgenmantel und eilte ungeachtet ihrer unvorteilhaften Lockenwickler in den Hof, um das mysteriöse Paket zu inspizieren. Die Tatsache, dass es sich sehr kompakt anfühlte und zu schwer war, um es hochzuheben, entfachte ihre Neugier. Vielleicht verbarg sich unter dem Verpackungsmaterial etwas Wertvolles oder zumindest etwas Brauchbares. Sie dachte dabei an einen edlen Orientteppich, eine Stehlampe oder sonst etwas, das schon bald ihre Wohnung verschönern würde. Hoffnungsvoll machte sie sich daran, die festen Knoten zu lösen. Ihre Vorfreude wuchs zusehends. Sie entfernte die Schnur und zerrte kräftig an der Plastikplane. Die Idee, es könnte sich um eine übel zugerichtete Frauenleiche handeln, kam ihr erst, nachdem sie einen bleichen, blutverschmierten Fuß freigelegt hatte.

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